Wer braucht schon Abenteuer?

Schon mal was von Mikroabenteuern gehört? Das Wort etabliert sich immer mehr in unserem Wortschatz und hat vor allem während der Pandemie an Relevanz gewonnen. Es geht um die Abenteuer im Kleinen. Die direkt vor der Haustür, für die man nicht tief in den Geldbeutel greifen muss, keine großen Vorbereitungen, Planungen oder Besorgungen braucht, die man spontan überall starten kann. Die, die wahrscheinlich jeder schon einmal gemacht hat und sich manchmal vielleicht gar nicht wie ein Abenteuer anfühlen. Aber es kommt ja immer auf die Perspektive an. Und Achtsamkeit spielt da auch mit rein.

Lauf einmal im Kreis oder was?

Wenn ich an Mikroabenteuer denke, denke ich vor allem an 2 Dinge: Cool, entspannte kleine Aktivitäten, die auch in einem vollen Alltag machbar sind. Cool, das geht sogar mit Kind. Und beides geht auch getrennt voneinander. Und vielleicht ist es genau das, was mein Abenteuer Dilemma aus dem letzten Blog lösen kann. Also begebe ich mich auf die Suche, hole mir Inspiration. Und stelle ziemlich schnell fest: Das, was für andere ein Mikroabenteuer ist, wird für mich ein ausgewachsenes Abenteuer mit allem Drum und Dran. Ja, es gibt auch die, die heißen „Laufe einmal im Kreis um deinen Häuserblog“ oder „Radel im Winter auf einen Berg“. Aber ich finde wenig, was in meinem Alltag gut einzugliedern ist. Oder denke ich da schon wieder falsch? Geht es gar nicht um Eingliedern, sondern, um Ausbrechen? Da stellt sich allerdings für mich die Frage, warum ich denn aus dem Alltag ausbrechen will, wenn ich meinen Alltag so gestalte, dass er für mich toll ist? Ich gebe zu, dass mein Alltag nicht immer Eitel Sonnenschein ist. Das wäre aber auch eine Märchen-Vorstellung. Das Leben ist ja schließlich kein Ponyhof.

Und was ist jetzt mit dem Flow?

Ich kann jedoch behaupten, dass ich versuche meinen Alltag so zu gestalten, dass ich mich wohlfühle und meine Stärken einsetzen kann. Beides gehört für mich auch zusammen. Wenn ich in meinen Stärken leben kann, dann komme ich in einen Flow und dann geht’s mir auch richtig gut. Dann steigt meine Frustrationstoleranz, und ich stehe Herausforderungen entspannter gegenüber. Nehme sie vielleicht auch nicht als solche wahr. Aktuell bin ich nicht immer im Flow, vielleicht kommt daher auch mein Dilemma und mein Wunsch nach Abenteuern. In meinem neuen Job gehe ich stark aus meiner Komfortzone raus. Bin in der roten Zone des Schmerzes. Zweifle viel. Lerne viel. Komme ich nach Hause, ist wenig Zeit für mich, sondern viel Familie. Organisieren, fremdbestimmte Zeit, einfach mal machen. Und doch. Irgendwo in all dem muss doch auch die Lösung liegen. Die Lösung für den fehlenden Flow und die fehlenden Abenteuer.  

Schon wieder die Achtsamkeit?

Und irgendwie lande ich wieder bei der Achtsamkeit. Die, die mir erlaubt im Moment zu sein, aber auch mal eine Vogelperspektive einnehmen lässt. Und ich realisiere, dass es auf die Perspektive ankommt. Mein neuer Job ist ein Abenteuer mit neuen Erfahrungen. Ich kann die fehlenden Strukturen sehen, die Sinnlosigkeit vieler Dienstwege, und das gefühlte Nichtvorankommen. Ich kann aber auch sehen, was ich gerade lerne, über mich, über Andere, über Politik, über Stärkeneinsetzen an ungewohnten Orten, über Abschalten können. Meine 3-Tage-Woche gibt mir eine Zeitstruktur vor. Ich kann sehen, dass ich limitiert bin in dem, was ich wirklich schaffen kann in meiner Rolle. Ich kann aber auch sehen, dass sie mir viel Abenteuer neben her ermöglicht und ich die Zeit dafür einfach auch so nutzen kann. Mein Kind ist ein Abenteuer in sich. Ich kann sehen, dass ich weniger Zeit für mich habe und mehr fremdbestimmt bin. Ich kann aber auch die Welt aus seinen Augen sehen und so wird jeder Moment ein Abenteuer. Und ich kann mich wehmütig voll und ganz in den Gedanken hineinlegen, dass alles seine Zeit hat. Dass mein Kind in ein paar Jahren nicht mehr getragen werden will, oder seine kleine Hand zum Einschlafen an mein Gesicht legt. Dass einem Neuanfang immer eine Ungewissheit innewohnt, ein Reiz und eine Aufregung. Und in diesem Spannungsfeld habe ich wieder ein paar Aha-Momente.

Meine Erkenntnisse

  1. Abenteuer geht immer. Es kommt auf den Blickwinkel an.
  2. Abenteuer ist nicht immer schick. Abenteuer heißt auch, dass du an deine Grenzen gehst. Aus der Komfortzone raus. Schmerzhafte Erkenntnisse. Lernen.
  3. Abenteuer geht auch in Familie. Nur nicht so groß. Mikro eben. Und für jeden was dabei.

Wie sind eure Erfahrungen? Ich freue mich über eure Rückmeldungen per Mail oder hier in den Kommentaren.

Franzi

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