Wir brauchen mehr „Ich will“ und weniger „Ich muss“

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„Ich muss noch einkaufen.“ „Ich muss abnehmen.“ „Ich muss in das nächste Meeting.“ „Ich muss meinem Mitarbeiter noch Feedback geben.“ „Ich muss das Projekt noch zu Ende bringen.“

Es gilt Distress von Eustress zu unterscheiden 

Wow! Das sind ganz schön viele „Ich muss…“. So oder so ähnlich klingen wohl bei vielen von uns die To Do Listen in unserem Kopf. Da kann Frau ganz schön ins Schwitzen kommen und das Gefühl nicht zu wissen, wo einem der Kopf steht, kennen wir auch. Das Leben kann also schon mal ganz schön stressig werden. Dass da die Famosität nicht immer voll da ist, ist dann wohl ganz normal. Nun ist es ja aber so, eine meiner Superkräfte ist es, viele Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten und sie so zu drehen und zu wenden, dass es gut für mich und andere funktioniert. Da kann ich schon verstehen, dass Außenstehende sich manchmal fragen, wie das geht und warum ich nicht völlig explodiere.  Ich kann auch nicht genau sagen wieso, aber ich blühe auf, wenn ich viel zu tun habe. Es gibt mir ein tolles Gefühl, wenn ich dieses Talent viel nutzen kann. Mir tut ein gewisses Maß an Stress also gut. So geht es nicht nur mir. Ich kenne auch andere die sagen, dass sie am besten funktionieren, wenn sie Stress und Druck haben. Das bringt mich also zu dem Fakt, dass es sowohl guten als auch schlechten Stress gibt. In der Fachsprache ist der gute Stress der sogenannte Eustress und der schlechte wird Distress genannt. Die Psychologie bestätigt zudem die Aussage, dass man unter Stress besser funktionieren kann. Dies stimmt aber nur bis zu einem bestimmten Grad. Denn bis zu einer  bestimmten Grenze hilft uns die Ausschüttung eines Stresshormons dabei leistungsfähiger zu werden. Wird diese Grenze allerdings überstiegen, kann das auf Dauer eher ins Gegenteil umschlagen und der Stress schadet uns. Da drängt sich mir nun die Frage auf, wie man Eustress von Distress unterscheiden kann. Wann ist es also Stress, der mir hilft, in meiner Famosität zu schwimmen und wann ist es Stress, der mir und meiner Famosität schadet?

„Zwischen Reiz und Reaktion, liegt ein Raum, in dem wir uns bewusst entscheiden können.“

Susan David, Doktorin der Psychologie an der Harvard Medical School und Autorin des Bestsellers Emotional Agility, lehrt, dass es zwischen dem Reiz, der auf uns trifft und unserer Reaktion auf den Reiz, einen Raum gibt, in dem wir bewusst entscheiden können, wie wir auf diesen Reiz reagieren. Dieses Wissen können wir uns auch beim Thema Stress und, wie man guten von schlechtem Stress unterscheidet, zu Nutze machen. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele von euch denken „Hä, was für ein Raum denn?“ Natürlich handelt es sich dabei nicht um einen physischen Raum, sondern eher um einen kurzen Moment, der zwischen dem Reiz und der Handlung liegt. Meistens merken wir nicht, dass er da ist, weil unsere Reaktionen scheinbar direkt nach dem Reiz erfolgen. Den Raum wahrzunehmen und sich die Zeit zu nehmen, um bewusster über unsere Handlungen zu entscheiden, ist nicht immer leicht. Kann aber mit Hilfe von Achtsamkeitsübungen trainiert werden.

  • Inne halten 

Wenn wir also merken, dass wir uns gestresst fühlen und nicht mehr vor und nicht mehr zurück wissen oder am besten noch bevor es soweit ist, halte inne und schaffe dir den Raum, den Stress genauer anzuschauen. Wirf einen Blick auf die Formulierung deiner inneren To Do Liste „Ich muss…“ steht oft darauf. Diese Art der Formulierung führt schnell dazu, dass wir uns gefangen fühlen und einem Zwang unterliegen. Dann haben wir das Gefühl, nicht Herrin über unser Leben zu sein. Das ist in der Tat Stress und schadet uns eher, als dass er uns hilft.

  • Aufgaben umformulieren 

Dieses Gefühl lässt sich allerdings durch einen kleinen Trick schnell auflösen. Nimm deine oben formulierten „Ich muss…“ Punkte von deiner To Do Liste. Schau sie dir genau an und setze „Ich will…“ an den Anfang jedes Satzes. Dadurch verändert sich das Gefühl keiner Kontrolle hin zu einem Gefühl, selber zu entscheiden, was du tust. 

  • Ziele reevaluieren 

Schau dir als nächstes an, was die Ziele hinter deinen „Ich will…“s sind. Warum willst du das Projekt beenden? Vielleicht hängt damit eine Beförderung zusammen oder vielleicht hilft es dir auch dabei deine Leidenschaft zu verfolgen. Auch ein Blick auf die eigenen Werte kann hier helfen. Welcher deiner Werte wird angesprochen, wenn du deinem Mitarbeiter Feedback gibst? Ist es die Hilfsbereitschaft, der Teamgeist oder gar Respekt? Finde für dich raus, wie die Punkte auf deiner To Do Liste mit deinen Zielen und Werten zusammen spielen. Dieses Verständnis kann dir dabei helfen wieder den Sinn hinter einer Aufgabe zu sehen und den ursprünglich damit verbundenen Stress zu lindern. Je öfter du diesen Prozess übst, desto schneller gelangst du zurück in deine Famosität und kannst deine Superkräfte wieder zugunsten deiner selbst einsetzen.

Natürlich kann es auch vorkommen, dass du hinter einer Aufgabe so gar keinen Sinn für dich finden kannst. Sie hilft dir weder ein Ziel zu erreichen, noch ist sie im Einklang mit deinen Werten. Nun, ich denke auch das sagt uns etwas. In meinen Augen ist das ein klares Zeichen dafür, diese Aufgabe tunlichst los zu werden oder sogar insgesamt etwas zu verändern.

Ich freue mich, wenn ihr mir von euren Erfahrungen berichtet. Wie geht ihr mit Stress um? Was hilft euch, aus schlechtem Stress wieder rauszukommen? Schreibt gerne hier einen Kommentar oder direkt eine Email an mich.

Eure Nathalie

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