Nieder mit der Jahresanfangsstressfalle

Neues Jahr, neues Glück!

2020 ist vorbei, das Jahr, das als Nicht-Jahr in die Geschichte eingehen wird. Als Jahr, das unsere Leben ganz schön durcheinander gerüttelt hat; das Veränderungen, Umbruch und Neues mit sich brachte; das alle Pläne über den Haufen warf. Und schon türmen sich die Erwartungen an das Jahr 2021. Dieses Jahr wird besser/schlechter/schöner/entspannter/gewinnbringender/… In diesem Jahr werde ich endlich abnehmen/mich endlich verlieben/einen neuen Job finden/mit Sport anfangen/… So oder so ähnlich werden die Gedanken durch die Neujahrsköpfe gegeistert sein. Die Zeitschriften sind voll damit diese Erwartungen wahr werden zu lassen, mit Tipps und Tricks fürs Wunschgewicht, die neue Liebe oder die gesunde Ernährung. Egal wo man hinschaut, man kommt an den Themen zur Selbstoptimierung gar nicht vorbei. Aber ist das denn nötig? Man hat kaum Weihnachten verdaut (im Wahrsten Sinne des Wortes), die hektischen letzten Tage des Jahres hängen einem noch in den Knochen und nun geht das Hamsterrad von vorne los. Kein Wunder, dass sich viele gestresst fühlen. Man spricht immer so schön von der Frühjahrsmüdigkeit und ja, wahrscheinlich gibt es hierfür auch eine Hormonhaushalt-Erklärung, aber niemand schaut sich die Zeit vorher an. Ich bin davon überzeugt, dass die Frühjahrsmüdigkeit durch den Start ins neue Jahr geprägt wird. Je mehr Stress man sich und dem neuen Jahr am Anfang des Jahres macht, umso müder ist man, umso weniger kann man die belebenden Sonnenstrahlen, die länger werdenden Tage und das Frühlingserwachen genießen.

Ein Stress-Konzept

Vielleicht ist es wichtig das Wort Stress einmal zu definieren. Google spuckt fast 1 Milliarde Ergebnisse aus. Generell ist Stress eine absolut sinnvolle Reaktion unseres Körpers auf bestimmte Situationen. Sie sichert Überleben. Und die erste Definition des Zoologen Hans Seyle war in den 1930er Jahren eher positiv formuliert als „unspezifische Reaktion des Körpers auf jegliche Anforderung“. Er baute seine Forschung auf dem Stress-Konzept der Werkstoffkunde auf, die Stress als Veränderung eines Materials durch äußere Krafteinwirkung definiert. Diese Veränderung tritt beim Menschen durch das zentrale Nervensystem auf, dass die Reize verarbeitet, die der Mensch sinnlich wahrnimmt. Verarbeitung von Reizen also absolut sinnvoll, muss passieren, damit wir unser Erlebtes einordnen können, daraus lernen können. Kritisch wird es, wenn einfach alles, was der Körper verarbeiten muss, zu viel wird.

Die Endlichkeits-Theorie

Und schon sind wir wieder bei meiner Jahresanfangs-Stresstheorie: Zu viele Erwartungen, zu wenig Zeit zum Regenieren, zu wenig Energie für zu viele Ziele, zu wenig Vitamin D durch zu wenig Sonne, zu viel Energie für Virenabwehr… Jetzt denkt ihr wahrscheinlich, so ist das halt im Winter. Kennen wir doch seit Oktober, wo ist der Unterschied? Der Unterschied liegt in der Endlichkeit. Im Oktober wissen wir, dass das Jahr bald zu Ende ist. Wir freuen uns auf den Urlaub rund um die Feiertage, auf die Lichter, die Plätzchen, Zeit mit der Familie, Zeit zum Ausschlafen,…Wir haben die Endlichkeit des Jahres vor uns. Wir genießen alles in vollen Zügen – auch das kostet übrigens Energie – denn wir wissen, es ist bald vorbei. Und dann kommt das neue Jahr. Plötzlich liegen 365 Tage vor uns und wir wissen nicht, was sie bringen werden. Nach 2020 noch weniger als die Jahre vorher. Deswegen machen wir einen Plan, formulieren Vorsätze, verteilen Arbeitstitel. Obwohl wir wissen, dass die Pläne wahrscheinlich über den Haufen geworfen werden und die Vorsätze nach 4 Wochen in der Tonne landen und alles beim Alten ist. Und wahrscheinlich werden wir von dieser Fatalität des Lebens zusätzlich gestresst.

Der Falle entkommen

Wie entkommen wir jetzt aber genau dieser Jahresanfangsstressfalle? Für mich ist es die Glücksdreifaltigkeit: Dankbarkeit, Intuition und Verantwortung.

  • Dankbarkeit

Wenn ich es schaffe mir bewusst zu machen, wofür ich alles dankbar sein kann in meinem Leben, so richte ich meinen Fokus ganz bewusst auf die guten Dinge, die mir widerfahren sind. Man kann dies abends oder morgens machen. Ich bin ein Fan von der Morgenroutine, da sie meinem Tag von Anfang an einen positiven Touch gibt. Aufwachen, kurz noch im Bett liegen bleiben, tief atmen und sich fragen „Wofür bin ich heute dankbar“. Alternative: Sich nach dem Zähne putzen im Spiegel anschauen und sich die 3 Dinge für die man heute dankbar ist mit einem Lächeln zusagen.

  • Intuition

Wenn ich es schaffe, mehr auf meinen Bauch zu hören, mache ich mehr Dinge, die meinen Werten und Stärken entsprechen. Ich habe gelernt die Stimmen in meinem Kopf auszublenden, mehr darauf zu achten, was gesellschaftlich angepasst ist oder was MAN so macht. Ich habe meine Wünsche und Bedürfnisse negiert und mich angepasst. Jetzt nehme ich mir vor Entscheidungen die Zeit in mich hineinzuspüren, was sich gut anfühlt. Ich visualisiere mich in der Zukunft und wie es sich anfühlt, wenn ich in dieser Entscheidung lebe. Eine Frage, die ich mir auch oft stelle: Passt es zu meinen Werten und wird es mich glücklich machen?

  • Verantwortung

Wenn ich die Verantwortung für meine Reaktionen auf Geschehenes übernehme, steure ich wie ich mich fühle. In dem Wort Verantwortung, steckt auch das Wort Antwort. Ich bestimme, wie ich auf etwas antworte. Mit Ärger, mit Wut, mit Frust oder ob ich mich stressen lasse. Als erstes schaue ich hier, ob das Geschehene in meinem Einflussbereich liegt oder außerhalb. Wenn ich den Fokus dann auf das lenke, was ich wirklich aktiv beeinflussen kann, minimiere ich das „Rauschen“, was weniger Stress ist. Dann schaue ich, welche andere Perspektive ich einnehmen kann zu dem Geschehenen und ob es hier einen positiven Blickwinkel gibt. (Dies ist übrigens eine der „7 Habits of highly effective people“ von Steven Covey)

Wem das nicht reicht, der kann auch gerne mal bei Eckhart von Hirschhausen vorbeischauen und sich kostenlos beim Glückstraining anmelden. Ich fand den Perspektivenwechsel sehr schön. Achtet aber darauf, dass du nicht zu viel machst, sonst türmen sich die neuen Vorsätze und es artet in Stress aus!

Ich bin gespannt, welche Erfahrungen ihr macht im neuen Jahr und wie es euch gelingt nicht in die Stressfalle zu tappen. Schreibt gerne ein Kommentar oder mit direkt per Email.

Eure Franziska

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