Über den Mut auch mal Pausen zu machen

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Wisst ihr was mir gerade so richtig auf den Sack geht?

Neustart, Umbruch, neue Normalität, auf zu neuen Ufern. Diese „Whuuuu-auf-ins-nächste-Abenteuer“-Mentalität nervt mich gerade so richtig. Ständig geht es darum weiter zu kommen, alles zu verbessern und Stillstand geht mal gar nicht. Was genau ist so schlimm daran, wenn es mal nicht voran geht, wenn sich mal nichts verändert und alles einfach mal so bleibt wie es ist?

Versteht mich nicht falsch. Ich liebe es neue Dinge zu entdecken und auszuprobieren und werde hibbelig, wenn ich das Gefühl habe, lange nichts neues gelernt zu haben. Das ist auch gut so und ist Teil meiner Famosität. Allerdings hatten die letzten 18 Monate ziemlich viele Veränderungen für mich im Gepäck, wenn nicht zu sagen sogar im Überschuss. Alles fing an mit dem Jobwechsel im vergangenen Jahr, der dann auch noch anders kam, als ich dachte. Daher hat es für mich geschlagene 7 Monate gedauert wieder in meine alte Work-Life-Balance zu finden. Gerade hatte ich sie wieder, kam auch schon Corona und der Lockdown. Was das bedeutete, muss ich hier glaube ich nicht im Detail erläutern. Im Juni wurde ich von einer „Freundin“ zu einer „Verlobten“ – was in meinem Bauch immer noch tausende Schmetterlinge umherflattern lässt. Der nächste Neustart stand mit Femme Famos auch schon in den Startlöchern. Objektiv betrachtet in der Summe mehr Grund zur Freude als zum Weinen. Dennoch bedeuten all diese Dinge Veränderung. In der Schule haben wir bereits gelernt, dass für die Veränderung eines Aggregatzustands immer die Zugabe einer Energie nötig ist. Wir wissen auch, dass es kein Perpetuum Mobile gibt und Energie endlich ist. So ist das auch bei uns Menschen. Egal wie resistent wir bei dem Umgang mit Veränderung sind, auch unsere Energie erreicht irgendwann den Punkt, an dem sie ausgeschöpft ist. Dann ist es an der Zeit, dass wir uns um uns kümmern und neue Energie tanken. Für einen erfolgreichen Neustart bzw. Umbruch und auch beim Reframing ist es nötig sich auch mal eine Pause zu gönnen. Auch wenn unsere Gesellschaft das vielleicht anders sieht:

 

Pausen sind keine Zeichen von Schwäche.

Sie sind eher das Gegenteil. Gönnst du dir regelmäßig eine Pause, um später wieder voll durchzustarten, ist dies eher ein Zeichen dafür, dass du verantwortungsvoll mit deinen Ressourcen und deinem Körper umgehst. Wem bringt es denn was, wenn du am Ende vor Erschöpfung zusammenbrichst?

Heute war bei mir wieder so ein Tag, an dem ich mir eine Pause gegönnt habe und neben dem nötigsten eigentlich nichts weiter gemacht habe. Ich habe auf der Couch gelegen und mich von Netflix berieseln lassen. Das war das was ich brauchte und machen wollte. Mir fehlte die Energie, um etwas anderes zu tun. Früher habe ich deswegen ein schlechtes Gewissen gehabt. Heute weiß ich aber, dass solche Tage bedeuten, dass ich mir in den letzten Tagen nicht genug Pausen gegönnt habe. Es ist ein Signal meines Körpers, das mir sagt „Es reicht jetzt, gönn dir den Tag, ansonsten muss ich härtere Geschütze auffahren.“ Das Gute an der Sache ist, dass die Energie für andere Dinge an solchen Tagen eh fehlt, so dass ich gar keine andere Wahl habe. Diese Tage erinnern mich daran, dass es wichtig ist, dass ich es gar nicht erst so weit kommen lasse und mir regelmäßiger Pausen gönne, um weiter in meiner Famosität schwimmen zu können. Das ist im Alltag nicht immer leicht, da wir in einer sehr schnelllebigen Welt leben. Veränderung ist die Norm und Eindrücke davon strömen eigentlich dauerhaft auf uns ein. Es ist eigentlich normal und auch irgendwie ein Statussymbol, erschöpft zu sein und sich gestresst zu fühlen. Auf Dauer ist das aber nicht gesund. Kein Wunder also, dass die Zahlen für psychische Erkrankungen steigen. Um gesund zu bleiben und mit den ständigen Veränderungen unsere Zeit klarzukommen ist es also wichtig, dass wir uns regelmäßige Pausen gönnen.,

Limitiere die externe Eindrücke 

Tatsächlich denke ich nicht nur an körperliche Pausen, sondern auch an geistige Pausen. Gerade zu Beginn von Corona habe ich die Nachrichten sehr stark verfolgt und habe jeden Artikel und Beitrag, den ich finden konnte in mich aufgesaugt. Das führte irgendwann dazu, dass ich mir zu viele Sorgen gemacht habe und mich nicht mehr auf das Wesentliche konzentriert habe. Also habe ich die Aufnahme von neuen Informationen zu dem Thema limitiert. Ich suche nicht mehr bewusst danach, sondern lese gezielt und zu bestimmten Zeitpunkten. Das hilft, um auch dem Gehirn mal eine Pause zu geben. Zudem ist es aktuell so, dass man eigentlich in keinem Gespräch um das Thema drumherum kommt. Ich spreche es nun nicht mehr aktiv an und gönne mir dadurch ebenfalls Pausen von dem Thema. Das klappt natürlich auch bei anderen Dingen, die für dich gerade sehr aktuell sind. Nach unserer frischen Verlobung könnt ihr euch sicher vorstellen -ich als passionierte Planerin und mein Verlobter als ausgebildeter Projektmanager – wie schnell und intensiv wir uns in die Planung der Details begeben haben. Nach einer Weile haben wir aber auch bemerkt, dass das Thema in unserem Alltag und unseren Gesprächen häufig präsent war und haben beschlossen, dass es Tage geben muss, an denen wir nicht über das Thema sprechen. Das hilft von dem Thema nicht genervt zu sein und auch neue Kreativität zu wecken.

Nimm der Zeit nur für dich

Neben den Pausen für das Gehirn, habe ich in den letzten Jahren gemerkt, dass ich auch immer mal wieder einfach auch Zeit für mich allein brauche. Das war anfänglich für mich tatsächlich etwas merkwürdig, weil ich als Jugendliche und auch als Studentin nicht genug davon bekommen konnte, Zeit mit Menschen zu verbringen. Das war Teil meiner Persönlichkeitsdefinition. Das hat sich aber in den letzten Jahren gewandelt. Durch die Konzentration auf der Arbeit und den anderen Verpflichtungen, die ich so habe, habe ich meine eigenen Gedanken und Bedürfnisse nicht mehr gehört. Das hat dazu geführt, dass ich gar nicht mehr wusste, wo mir der Kopf steht. Inzwischen weiß ich, dass meine Persönlichkeit immer noch zu einem Großteil daraus besteht, dass ich gerne Zeit mit anderen Menschen verbringe, aber eben auch das Bedürfnis habe, Zeit mit mir allein zu verbringen.

Zuhause habe ich den Vorteil, dass mein Verlobter sehr gerne Zeit mit Computerspielen verbringt. Das hilft, wenn ich merke, dass ich Zeit für mich brauche. Die Frage „Sag mal, hast du nicht Lust Computer zu spielen?“ ist dann das Codewort dafür, dass ich gerne etwas für mich allein machen möchte. Sei es nur eine meiner Serien zu schauen, die er nicht mit mir schaut. Diese „Me time“ gestalte ich aber durchaus unterschiedlich. Dabei versuche ich auf meine Bedürfnisse zu hören. Es gibt Tage, da mag ich mich einfach berieseln lassen. An anderen Tagen habe ich das Bedürfnis mich inspirieren zu lassen. Dann lese ich ein Buch zu einem mir neuen Thema. An wiederum anderen Tagen bin ich bereits inspiriert und schreibe einen Blogartikel. Auch das Brot backen und Herstellen meiner eigenen Kosmetika tun mir gut. Es gibt aber durchaus auch Tage, da habe ich das Bedürfnis mich körperlich zu betätigen. Dann mache ich Yoga oder gehe sogar mal laufen. An sich ist die Aktivität egal, wichtig ist nur, dass sie nichts damit zu tun hat, womit ich mich den ganzen Tag sonst so beschäftige.

Ich bin gespannt zu erfahren, wie ihr mit Pausen umgeht. Habt ihr feste Zeiten? Was macht ihr, um euch eine Pause zu gönnen? Hinterlasst gerne einen Kommentar auf dieser Seite oder schreibt mir

Eure Nathalie 

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