Von der Dramatik des Umbruchs

Umbruch. Was heißt das eigentlich? Auf der Suche nach einer sinnvollen Definition habe ich das Internet bemüht.  Schaut man das Wort „Umbruch“ im Duden nach kann man dort lesen: Umbruch, der, „Grundlegende Änderung, Umwandlung“. Bemüht man das Wiktionary steht da: folgenreicher (insbesondere gesellschaftlicher, technischer) Wandel, Umwälzung. Hört sich alles sehr dramatisch und groß an. Und sehr abstrakt. Vielleicht malen Zitate eher eine Geschichte. Und da gestaltet es sich schwieriger etwas online zu finden. Umbruchszitate gibt es nämlich nicht wirklich. Allerdings kommen automatisch Vorschläge für die Worte „Veränderung“ und „Wandel“. Heißt Umbruch also automatisch Veränderung? Wenn man den Thesaurus fragt, lautet die Antwort eindeutig ja. Trotzdem vermittelt mir das Wort Umbruch eine höhere Relevanz. Mehr Dramatik. Einen Meilenstein. Das Wort Veränderung wird ja fast schon inflationär benutzt. Es ist allgegenwärtig.

Eigentlich sind wir permanent in der Veränderung

Die Jahreszeiten bringen Veränderung. Der Körper befindet sich ständig in der Veränderung. Unsere Meinungen, Stimmungen, Wünsche, Präferenzen ändern sich ständig. Na gut, je mehr Einflüssen man von außen ausgesetzt, umso tiefgreifender sind diese Veränderungen spürbar. Das heißt aber nicht, dass es keine Veränderung gibt, wenn das eigene Leben wie ein gleichbleibender Strom so vor sich hinfließt. Sonst würden sich z.B. Paare nach 30 Jahren Ehe nicht trennen, wenn allles so geblieben wäre wie zum Hochzeitstag. Wir können also sagen, dass Veränderung ein Teil unserer Existenz ist. Und wer sich besser anpasst an Veränderungen, der ist stabiler aufgestellt. Sehen wir an der Evolution. Sagt auch schon Darwin. Warum also verunsichern uns Veränderungen so? Ja, machen uns sogar Angst? Wird vielleicht deshalb das Wort Umbruch so selten benutzt, weil dies eine Schockstarre auslösen würde?

Persönliche Umbrüche sind selten

Wenn ich so darüber nachdenke, ist das gar kein so abwegiger Gedanke. Die Umbrüche in meinem Leben waren wenig und sie waren einprägsam. Dramatisch. Absolut relevant. Sie haben mein Denken, Fühlen, mein Sein in den Grundfesten erschüttert.

Das erste Ereignis fand 2014 statt. Sommer. Für meine Ausbildung zum Coach musste auch ich mich coachen lassen, was ich mit der fantastischen Uta Siebert (coachingcouch.de) machen durfte. Die Session, die bei mir einen Umbruch ausgelöst hat, war die Arbeit an meinen Werten und die Zuordnung dieser auf Familie, Freunde und Partner. Ich will nicht zu viel ins Detail gehen, es war eine sehr tränenreiche Angelegenheit. Selbsterkenntnis ist mächtig. Es ist beängstigend. Es ist reinigend.

In einer sicheren Coaching-Umgebung den Weg zu einer Selbsterkenntnis zu gehen ist absolut hilfreich für jeden!

Ich habe eine Eigenschaft in mir erkannt, deren positiven Einfluss auf die Evolution schon genannt wurde: Die Anpassungsfähigkeit. Aber jede übertriebene Stärke wird zur Schwäche. Ich habe erkannt, dass ich mich bis zur Selbstaufgabe angepasst habe, um überall perfekt zu sein. Das perfekte Puzzleteil für jede Gelegenheit. Es hat mich krank gemacht. Diese Erkenntnis war ein Meilenstein für mich. Er hat viele Veränderungen nach sich gezogen in meinem Leben und beeinflusst mein Denken, Handeln und Fühlen noch heute.

Die Herausforderung herauszufinden, wer ich bin

Das 2. Ereignis war die Geburt meines Sohnes. Oder soll ich lieber sagen, der Prozess des Mutterseins. Herausfinden, wer ich als Mutter sein kann und will und das damit zu verbinden wer ich vorher war. Ich habe selten von anderen Müttern gehört, dass sie ihr Kind bekommen haben und alles so blieb wie es vorher war. Oder alles einfach easy peasy im Flow weitergegangen ist. Was ich eher höre ist: Das ist hart!  Ich habe keine Zeit mehr für mich! Ich bin nur noch Mutter, nicht mehr die Frau von vorher! Ich bin noch nicht mal zum Duschen gekommen! Und da ist der Schlafentzug noch nicht eingerechnet. Ich habe es als wahnsinnig bereichernde und absolut anstrengende Zeit empfunden meinen Flow wiederzufinden. Und die Balance hinzubekommen zwischen meinen individuellen Wünschen und Bedürfnissen als Frau und meinen neuen Gedanken, Instinkten, Wünschen, Werten, Pflichten…als Mutter.    

2 Schwalben machen noch keinen Sommer, heißt es so schön. Bin ich jetzt Expertin für Umbrüche? Auf keinen fall. Kann man das überhaupt sein? Wahrscheinlich nicht. Jeder Umbruch ist individuell. Hier spielt so viel rein. Was ich allerdings als Erkenntnis mitnehme ist:

Umbrüche…

… sind selten im Leben eines Menschen

… sind dramatische richtungsweisende Einschnitte im Leben

… können durch Selbsterkenntnis und nie dagewesene Erlebnisse ausgelöst werden

… dürfen nicht ignoriert oder negiert werden

… können durch Coaching begleitet und verarbeitet werden

… kommen meist mit einem Knall und dauern dann an

… benötigen Geduld mit sich selbst

Ich bin sehr gespannt, was Deine Erfahrungen mit Umbruch waren und welche Erkenntnisse du daraus gezogen hast. Hinterlasse gerne einen Kommentar oder schreibe mir.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Ellen

    Umbrüche und Veränderungen begleiten dem Menschen ein ganzes Leben lang. Mein nächster ist im Anmarsch, meine Pensionierung.
    Da frage ich mich schon: „Was kommt auf mich zu?“ Ist das wirklich der letzte Abschnitt meines Lebens und welche Veränderungen erwarten mich, gute oder eher schlechte?
    Man macht sich auch darüber Gedanken, wie lange dieser (letzte?) Abschnitt dauern wird.
    Meine Tochter sagt immer, ich soll positiv denken. Zur Zeit begleitet uns auch noch Corona.
    Allerdings freue ich mich auch, denn ich habe jetzt mehr Zeit für mich und es liegt allein bei mir, wie ich die Zeit nutze.

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